Yoga als die Verschiedenheit der Möglichkeiten »Leben zu machen«

Vortrag anlässlich des ersten Geburtstags von „Ashtanga Linz“

Ich möchte zu Beginn den intuitiven Kopfsprung in die Erlebniswelt des Yogapraktizierens versuchen. Danach soll uns die Frage nach dem Yoga als Weg des sich-Befreiens beschäftigen.

Ich beginne mit vier kurzen Fragen: Was ist Yoga, warum Yoga tun, was passiert, wenn Yoga anfängt zu wirken?

Mit Fragen wie diesen geht man durch die Welt, hat man das Yogaüben für sich entdeckt. Wir alle sind aus unterschiedlichen Gründen zum Yoga gekommen und ganz genau weiß vermutlich auch keiner mehr, warum sie oder er nicht aufgehört hat Yoga zu machen. Eine einzige Sache ist sicher: Den Yoga werden wir nie erreichen. Womit gleich zu Beginn eine Möglichkeit angesprochen ist, warum es die eine oder andere zum Yoga hinzuziehen vermag, Yoga ist eine Sache, die nicht in ihren Grenzen bekannt werden wird. Yoga bedeutet, sich Formen des Fragens anzugewöhnen, die nicht nach Beantwortung streben, die Beantwortung sogar ablehnen.

Yogaüben ist der Zustand, der es nicht erlaubt zu streben, um zu erreichen, um etwas zu erkennen oder in besondere Welten des Wohlgefallens einzugehen. Es ist der Vorschlag sich nach scheinbar sinnlosen Regeln zu richten, die Ziele nicht in Aussicht stellen, sondern entfernen. Die scheinbare Disziplin, die das Üben verlangt, zeigt sich als das freiwillige Annehmen von Lebensregeln, die nichts zu verbessern versprechen. Das scheinbar unattraktive Angebot, das Yoga uns macht, ist es, sich in seinen lebensweltlichen Freiheiten einzuschränken, um Zeit- und Übungspläne auf sich zu nehmen, die Yoga mit sich bringt. Gleichzeitig beginnt Yoga im Üben sich von seiner süßen Seite zu zeigen, es eröffnet Raum abseits des Alltäglichen. Wenn wir bemerken, nicht in Sorge zu sein, ob unsere Positionen richtig ausgeführt sind, ob vermeintliche Fortschritte im Tun gemacht wurden, immer dann, wenn die Kategorien des Lebens außerhalb unserer Yogamatte von uns abfallen, ist Yoga da und schenkt uns Momente der Freiheit. Diese Einsicht können wir nicht überlegend erlangen, wir können sie nicht schnell gewinnen und finden sie genau dort, wo die wunderbare Verrücktheit des Ausführens von Yogapositionen sichtbar wird. In diesen Momenten des sich nicht-Quälens, wissen wir immer noch nicht was Yoga ist, doch die Beantwortung dieser Frage hat ihre Bedeutung verloren.

Ich versuche folglich eine spaßige Angelegenheit vorzustellen und gleichzeitig ein heimtückisches System von Regeln. Der Yoga zeichnet sich dadurch aus, unheimlich viele, sich bei Zeiten auch widersprechende Regeln vorzuschlagen. Der Yoga möchte die Übenden überfordern, um sie zu Rebellierenden zu machen, um genau den Moment zu provozieren, in dem die Übenden ausrufen wollen: das ist doch alles sinnlos und frei erfunden, wo sind die Belege, das Yoga mein Leben verbessern wird? Und vielleicht schaffen wir es dann doch weiter zu üben, haben aber sozusagen als erste Form von Yoga gelernt, dass es im Tun einer kreativen Auslegung von Regeln bedarf. Das ist sozusagen die erste Fähigkeit, die Yoga lehrt und ins Leben abseits der Matte mitgibt.

Ich halte fest, die erste Form von Gelassenheit, die Yoga uns schenkt, ist das nicht mehr perfekt Erfüllen-Wollen von Regeln. Yoga konfrontiert uns mit so vielen Regeln und komplexen Anforderungen, dass wir üben können das Scheitern als fröhliche Sache zu erleben, die nichts über unsere Meisterschaft aussagt, sondern, wir können Scheitern nun als etwas erkennen, das uns anzeigt, dass wir begonnen haben einen Weg zu gehen, in dem wir nicht mehr das Ideal der Perfektion verfolgen, die Angewohnheit aufgegeben haben, uns zur Sicherheit nie zu weit vom Bekannten zu entfernen. Diese erste Form von Gelassenheit erlaubt uns an den Grenzen des uns bisher Bekannten zu tanzen.

Eine zweite Form der Gelassenheit geht mit dieser ersten einher. Diese zweite Form erlaubt uns, nicht mehr so genau wissen zu müssen, was wir sind und was nicht. Sowie Yoga als Gegenstand, immer das ist, was wir noch nicht kennen, immer der Versuch ist etwas zu erfassen, das uns bisher noch nicht begegnet ist, so erlaubt Yoga als Haltung Großzügigkeit in Bezug auf wählbare Identitäten und Lebensentwürfe. Großzügigkeit bedeutet in diesem Kontext die Offenheit für Formen des Lebens und Tuns, die bisher nicht gelebt sind, die aber vielleicht schon als Wunsch oder Idee entstehen. Diese Großzügigkeit gilt anderen so sehr wie einem selbst.

Yoga befreit uns von der Sorge um die Festlegung des eigenen Ichs und erlaubt es damit offen zu werden für andere Individualitäten, Yoga ist folglich ein gemeinsamer Weg in Offenheit oder Freiheit. Wer zu dieser Gemeinschaft gehört ist allerdings niemals definiert und der Zufall entscheidet, wen uns das Leben sozusagen in jedem Moment zur Seite stellt. Kurz: Gelassenheit Nummer 2, die uns Yoga bringt, ist das Ende der Sorge darum wissen zu müssen wer man ist.

Was ist Yoga?

Richard Freeman:

„It is important to remember that the process of yoga is really the observation of what is, not the reduction of what is to our theory about it, or to our images of what we would like it to be.“(Richard Freeman “The Mirror of Yoga” 55)

Es gilt unverstellt den Augenblick zu erleben. Richard Freeman:

„Whatever reason brings us to yoga, it is imperative to start from exactly where we actually are, and this requires at least a moment of true honesty.“(RF,1)

Nicht den erstbesten Vorstellungen über uns und die Welt vertrauen, sondern noch einmal Halt machen, um vielleicht andere Möglichkeiten abzuwägen, einen sozusagen reflektierten Lebensstil auszubilden, das ist hier die Forderung.

Was ist Yoga?

Gegenwärtig wird auf hunderttausend unterschiedliche Arten über Yoga gesprochen und Yoga geübt, zumeist ist Hatha Yoga der Gegenstand des Interesses. Ha bedeutet Sonne und tha Mond. Hatha Yoga ist damit eine Form von Körperpraxis, die Gegensätzliches vereinen möchte, um der Gesundheit der Einzelnen willen, sowie um zum friedlichen Zusammenleben beizutragen, zu einem Zusammensein, das Gegenteiliges im Leben und Denken in sich tragen kann. Als Hatha Yoga sind Asanas (Körperstellungen) oder Atemübungen (Pranayama) zu verstehen. Sie sind neben Regeln der Lebensführung, deren erste das gewaltfreie Tun ist, die Grundlagen eines achtteiligen Weges, der helfen möchte klarer Sehen zu lernen. Dieser achtteilige Pfad ist bereits in den Yogasurtras als Ashtanga Yoga, als achteiliger Yoga bezeichnet. Die Yogasutras wurden grob gesprochen um den Zeitpunkt, an dem die Geburt von Christus festgelegt wurde, verfasst.

Was ist Yoga?

„Yoga is freedom. It is freedom from the fear of not knowing who we are, from presenting a face to the world that is not truly representative of who we feel ourselves to be, and from pretending to believe in things that we do not really know to be true.“ (RF, Einleitung)

Yoga ist demzufolge die Freiheit, die man empfindet, wenn man beginnt seiner Umwelt keine gewünschten Rollenbilder mehr vorzuspielen, sondern bereit ist, einem begegnenden Menschen mit dem zu konfrontieren, was man wirklich denkt und empfindet. Yoga ist demnach das Ende der Furcht nicht akzeptiert zu werden.

Braucht es in diesem Sinne den Guru?

Mircea Eliade:

„Kennzeichnend für den Yoga ist nicht nur seine praktische Seite, sondern ebenso seine Initiationsstruktur. Man erlernt den Yoga nicht allein; es bedarf der Leitung durch einen Meister (guru).“??? (ME „Yoga. Unsterblichkeit und Freiheit“ 5)

Die Frage wird hörbar: Darf ich mich als Suchende jemandem anvertrauen, LehrerInnen annehmen? Eliade sei widersprochen! Prinzipiell sei dazu aufgerufen allen LehrerInnen zu misstrauen, versuchen können wir allerdings uns zu fragen, wer könnten die LehrerInnen sein, denen wir nicht zu vertrauen brauchen? Diese Personen begegnen uns ständig, es sind alle Menschen mit denen wir Blicke austauschen, mit denen wir sprechen, Freunde, Kinder, Eltern, Personen wie wir hier, die wir versuchen euch unsere Freude am Yogaüben zu zeigen.

Zu LehrerInnen werden diese Menschen, wenn wir und sie bereit sind gemeinsam Räume wachsen zu lassen, die es allen Beteiligten erlauben, sich selbst und die Welt aus anderer Richtung zu sehen. Yoga ist damit keine Sache des-sich-in-Wälder-zurückziehens, sondern wird im aktiven Leben wirksam.

Was ist Yoga?

Yoga ist die Freiheit, offen auf seine Umwelt zu reagieren und ebenso sind es unsere Mitmenschen, unsere LehrerInnen, die uns die Möglichkeit geben diesen Zustand zu leben, die uns beistehen und uns Vertrauen auf diesem Weg zum Wissen geben. Womit ich ein weiteres Stichwort eingeführt habe. Yoga ist ein Weg zum Wissen. Ist Yoga Philosophie? Das Wort Philosophie setzt sich aus den Worten: Liebe (Philia) und Weisheit (Sophia) zusammen, bedeutet in Liebe Weisheit suchen, verliebtes Streben nach Wissen, die Liebe zur Weisheit und viel mehr. Yoga wird so zu interessiertem Streben, einem Streben nach einer Form der gelebten oder praktischen Philosophie.

Unter Philosophie kann die Anstrengung verstanden werden, die Dinge nicht einfach hinzunehmen, der Anspruch sich die Aufgabe zu stellen, etwas beitragen zu wollen. Yoga will uns helfen uns einzubringen für die Ganzheit des Existierenden und verspricht uns dafür mit Einsicht zu belohnen. Yoga möchte uns öffnen für die vielen Möglichkeiten Leben zu machen.

Was bedeutet das, etwas beitragen?

Erstens gilt, dass es immer die im Moment bestehende Situation ist, die wichtig zu nehmen ist und zweitens, dass diese Situation immer mit dem Dasein und der Autonomie anderer zu tun hat.

So einfach dieser Satz formuliert ist, so schwierig ist seine praktische Auslegung. Er könnte nun rational für unterschiedliche Situationen ausformuliert und durchdacht werden, wir bleiben aber immer mit einem Großteil von möglichen Situationen zurück, die wir noch nicht durchdacht haben, sowie als zweite Einschränkung der Umstand auftritt, dass uns zu keinem Zeitpunkt die Vorgänge und Hintergründe einer Situation vollständig bekannt sind. Yoga meldet sich dort als Hilfsmittel, wo die Mittel des logischen Schließens selbst unscharf werden, da die Sätze von denen man versucht auszugehen unsicher geworden sind. Auf der Matte merken wir beim Üben wie wenig wir sicher über unseren Körper wissen, im Leben beginnen wir die Unklarheiten unserer Situationen zu entdecken.

Freiheit – Gandhi und Krischnamurti

Ich möchte nun mit zwei Figuren, die man sozusagen als „wild yogis“ bezeichnen könnte, über Freiheit nachdenken. Gandhi und Krishnamurti zeichnen sich dadurch aus, Systeme des Wissens und der Befreiung anzuzweifeln. Yoga ist für sie ein Weg, den jeder in individueller Weise zu verwirklichen hat.

Gandhi. Sein Anliegen war die Befreiung Indiens von der Kolonialherrschaft durch gewaltfreies Widerstehen. Die regionale Produktion in Indien aufbauen, friedliche Märsche, Fasten oder mit einer großen Gruppe von Menschen immer wieder Grenzen überschreiten, provozierte Gefangenschaft, Unrecht aufzeigen, dies waren die gewählten Praktiken.

Gandhis Yoga des Handelns stellt dem Denken zwei Aufgaben. Erstens müssen Philosophierende auch Handelnde sein, zweitens darf ihr Handeln nicht auf andere, ein soziales Gefüge, Situationen beschränkt bleiben, sondern muss auch die Handelnden selbst verändern. Die Wahrheit muss, mit Gandhi gesprochen, angestrebt werden und zeichnet sich dadurch aus, sich am Ende eines Arbeitsprozesses, der Kohärenz im Existieren und Denken der Philosophierenden erreichen möchte, zu zeigen. Es ist eben dieser Prozess, der Weg zur Wahrheit, der frei macht, weil er klaren Fokus gibt. Gandhis Vorstellung von Freiheit könnte man damit als eine beschreiben, die aussagt, dass die Form der gelebten Unfreiheit gewählt ist. Die Freiheit, die wir haben, ist jene, die uns erlaubt in jedem Moment alle möglichen Handlungsweisen zu sehen, die momentane Wahrheit ist die Einsicht in die momentanen Handlungsmöglichkeiten. Frei findet sich Gandhi in der Möglichkeit die Einschränkungen seiner Situationen zu einem großen Teil selbst anzunehmen, zu bestimmen und diese Einschränkungen klar zu sehen.

Womit ich zu Gandhis Experimenten mit der Wahrheit übergehen möchte. Zu diesem Zweck möchte ich mich seiner Interpretation der Bhagavad Gita zuwenden. Die Bhagavad Gita kann als ein Gespräch mit sich selbst, mit der Wahrheit, die in einem wohnt, gelesen werden. Die Bhagavad Gita, der „Gesang des Erhabenen“ ist ein Lehrgedicht, das zwischen dem zweiten und fünften vorchristlichen Jahrhundert entstanden ist und ist Teil des Mahabharatas eines indischen Epos. Ich halte mich an dieser Stelle an die Interpretation von Gandhi, es gibt aber viele andere.

Die Hauptperson der Gita ist Arjuna, der Krishna gegenübersteht. Gandhi beschreibt Krishna als die Personifizierung von echtem Wissen und Perfektion. Diese Idee, die Idee von Perfektion in personaler Gestalt, allerdings, möchte Gandhi nicht verehren, sich keinen Göttern unterwerfen, aus welchem Grund er die Bhagavad Gita als das Dokument eines Kampfes mit sich selbst lesen möchte, nicht als die Darstellung der Belehrung Arjunas. Die Geschichte, die erzählt wird, ist in ihrem größeren Zusammenhang sehr komplex, jedoch auf ihren Kern reduziert sehr einfach. Arjuna ist Krieger und sieht sich einer Situation gegenüber, in der er seine Soldaten gegen andere führen soll, die mit ihm verwandt sind. Arjuna gerät ins Zweifeln und will nicht kämpfen, weil er seine Verwandten nicht töten kann. Die Bhagavad Gita ist das Dokument des Prozesses seines Zweifelns.

Gandhi lehnt es ab die Schlacht als eine im Außen zu betrachten, es geht ihm um ein Bild des inneren Ringens von Arjuna.

Gandhi sieht keinen anderen Ausweg für Arjuna als zu kämpfen, weil er sich im Annehmen seines Status als Soldat einmal dazu entschieden hat generell zu töten, so muss er nun auch bereit sein diese Schlacht zu schlagen, da jeder Mensch in gleicher Weise behandelt werden muss und Arjuna seine Verantwortung übernehmen muss, die er mit der Wahl dieses Lebens angenommen hat, so Gandhi. Gandhi argumentiert für eine Welt, in der rational gehandelt wird, nicht die momentane Emotion soll über Handlungen entscheiden, sondern die Aufgabe, die man sich im Leben gestellt hat, soll so gut wie möglich ausgeführt werden. Welche Einstellung Gandhi zu der Formulierung bringt:

„Yoga means nothing but skill in work“(Gandhi, Gita, 25)

Gandhi liest Arjunas Kampf als einen inneren, das Schlachtfeld ist nicht draussen in der Welt, sondern spiegelt das innere Ringen nach Entscheidungen wieder. Im Außen würde Gandhi Arjuna nicht dazu raten, den Bogen zu nehmen, um zu töten, sondern ihn auffordern nachzudenken, um die anderen Möglichkeiten zu erkennen, die ihm seine Situation erlauben, nachzuforschen, welche Handlung im Sinne der Gewaltlosigkeit gesetzt werden kann.

„Skill in Work“ bedeutet damit zu wissen, wann und wie man seine Fähigkeiten einzusetzen vermag, nicht um in Zukunft friedlich zu leben, sondern jeden Schritt auf diesem Weg in Liebe zu gehen, keine Zerstörung zu betreiben.

Was bedeutet Streben nach Perfektion?

Streben, muss mit Gandhi gleichzeitig bedeuten, eben auch dieses Streben aufgeben zu können. Gandhi verweist darauf, dass wir einen unbestimmten Weg verfolgen müssen, da die besonderen Leistungen nicht nur im sich-Abwenden von Familie und Sozialität bestehen, im Fokussieren auf ein Thema, sondern ebenso im Wahrnehmen der Verantwortung, die das Leben bereithält. Gandhi greift sich selbst als Beispiel auf. Er hat die Verantwortung für die Kinder übernommen, die bei ihm leben, aus welchem Grund er kein Wahrheitssuchender wäre, würde er sich in die Berge zurückziehen, um dort zu meditieren, um zu Einsichten zu gelangen. Er, so Gandhi, müsse in diesem Zusammenleben mit den Kindern, im Erfüllen seiner Verantwortung, im Weltlichen die Wahrheit verwirklichen. Ganz knapp formuliert, kann mit Gandhi somit behauptet werden, dass Wahrheit sozusagen das Abfallprodukt einer reflektierten Lebenshaltung ist. Einer Haltung, die über die Verhältnisse zu sich, zu anderen und zu allen Bereichen der Welt nachforscht, sowie diese Verhältnisse beweglich hält.

Es braucht nach Gandhi das Vertrauen in einen unbestimmten Weg, der auch nicht mit Sicherheit zur Erkenntnis führt. Aber jedoch täglich mit Teilwissen bereichert, das sozusagen ein Wegweiser sein kann. Dies ist die einzige Form von Religiosität, die er akzeptiert. Gandhis Ziel und Wahrheit war das Streben nach einer Welt die Verschiedenheit in Gleichheit möglich werden lässt. Die es jedem erlaubt in individueller Weise seinen Weg zu finden.

Womit der Übergang zu Krishnamurti leicht fällt.

Jiddu Krishnamurti ist 1895 in Indien geboren und gestorben 1986 in den USA. Als Kind fällt Krishnamurti auf und wird 1910 durch die Theosophische Gesellschaft zum kommenden Weltlehrer erklärt. Man gründet den „Orden des Sterns im Osten“ für ihn, den er später selbst auflöst, da er zu der Überzeugung gelangt, dass der Mensch keine Anleitung braucht, sowie Krishnamurti selbst keine VerehrerInnen möchte. Mit seinem Vortrag „Die Wahrheit ist ein pfadloses Land“ beendet Krishnamurti am 2. August 1929 die Existenz des „Ordens des Sterns im Osten“. Er setzt damit ein Zeichen dafür, dass jeder Einzelne ohne Institution, Lehrmeister oder Methoden den Weg zum Wissen finden kann. Krishnamurti eröffnet diesen Anlass mit einer Geschichte:

Zitat:

„Sie erinnern sich vielleicht an die Geschichte, wie der Teufel und einer seiner Freunde eines Tages die Straße entlanggingen. Sie sehen vor sich einen Mann, der sich bückt und etwas vom Boden aufhebt, es betrachtet und dann in seine Tasche steckt. Der Freund fragt den Teufel: »Was hat der Mann da aufgehoben?« »Er hat ein Stück von der Wahrheit aufgehoben«, sagt der Teufel. »Das ist aber ein sehr schlechtes Geschäft für dich«, sagt sein Freund. »Oh, durchaus nicht«, antwortet der Teufel, »ich werde ihm vorschlagen, sie zu organisieren.«“(Jiddu Krishnamurti „Vollkommene Freiheit“ 21)

Wie Gandhi argumentiert Krishnamurti an dieser Stelle, dass es nicht das Praktizieren von Yogaübungen oder ein zurückgezogenes Leben sein kann, das zum Wissen führt. Nicht soll behauptet werden, dass ein ruhiges, meditatives Leben dem Erkenntnisgewinn widersprechen würde, es bringt aber auch nicht mit Sicherheit Wissensgewinn.

Krishnamurti:

„Yoga-Übungen sind ausgezeichnet, um den Körper gesund zu erhalten. Doch Sie können durch sie nie das Andere entdecken, niemals! Denn wenn Sie die Übungen zu wichtig nehmen, dann nehmen Sie das Verstehen Ihrer selbst nicht wichtig, und das heißt, wachsam, gewahr sein, darauf zu achten, was Sie tun, jeden Tag ihres Lebens.“ (K, 432)

Erkenntnis gibt es damit immer nur im Gegenwärtigen und an dem Ort an dem man lebt. Krishnamurti schreibt: „Erleuchtung ist da, wo Sie sind.“ (K, 433)

„Die Wahrheit kann nicht heruntergeholt werden; vielmehr muß der einzelne sich die Mühe machen zu ihr hinaufzusteigen.“(K, 22)

In diesem Sinne geht mit Krishnamurti die Aufgabe eines Lehrers als Übersetzter dahin. Jede muss sich nach dem Wissen strecken, vereinfachte, durch vermeintliche Lehrer übersetzte Formeln führen nicht zum Wissen, so lautet das Argument.

Sich nach der Wahrheit strecken bedeutet mit Krishnamurti die gängigen Bezeichnungen und Vorstellungen des Lebens in ihrer Bedeutung in Frage stellen zu können.

„Sie haben die Familie, die Nachbarn und den Staat, und wenn Sie deren Bedeutung in Frage stellen, werden Sie sehen, daß Intelligenz spontan kommt, nicht erworben werden muß, nicht kultiviert werden muß.“ (K, 54)

Krishnamurti möchte weder dazu aufrufen den Staat oder die Familie aufzulösen, sowie er nichts gegen Begrifflichkeiten einzuwenden hat, im Nachfragen aber ist Freiheit, in der Möglichkeit in Frage zu stellen. Nicht weil wir in allen Dingen freie Wahl haben sind wir frei, da die Wahl einschließt, dass es Dinge gibt, die man nicht wählen kann, sondern weil wir die bestehende Welt in Frage stellen können.

Was ist Yoga?

Yoga, so sei hier vorgeschlagen, bedeutet sich zu erlauben, andere Bewegungen als die Bekannten auszuführen und in diesem Sinne auch andere Gedanken und Vorstellungen als die Bekannten möglich werden zu lassen. Yoga ist in-Frage-stellen, das den Bereich des Intellektuellen überschreitet.

Abschließend: Ashtanga Vinyasa Yoga. Pattabhi Jois hat diese Übungsserie zusammengestellt und im Buch „Yoga Mala“ beschrieben. Pattabhi Jois ist 1915 geboren und 2009 gestorben, er lebte und wirkte hauptsächlich in Mysore in Indien, wo heute sein Enkel Sharath Jois die Ashtanga Yoga Schule weiterführt.

Wir verdanken Pattabhi Jois diese wunderbare Methode Yoga zu üben, dennoch gilt es im Sinne des oben Besprochenen sich keinem Lehrer zu unterwerfen und stets selbst zu denken, nach dem Yoga zu suchen.

Ich möchte Ashtanga Yinyasa Yoga nun vorstellen, so wie es in der Yoga Mala beschrieben wird. Der Name Ashtanga Yoga bezieht sich auf die Yogasutras die einen Yoga vorschlagen, der sich achtteilig zeigt. Diese acht Teile heißen: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.

Ashtanga Vinyasa Yoga versteht sich als eine Praxis des Hatha Yoga, als Yoga, das mit körperlichen Übungen zu tun hat und möchte die ersten vier genannten Arten von Yoga in sich vereinen, um auf die vier folgenden vorzubereiten, die unterschiedliche Stadien von Konzentration bezeichnen.

Die Yamas, sind Regeln des Lebens, deren erste der gewaltfreie Umgang mit sich selbst und der Welt ist, die Niyamas sind Formen der Selbstbeobachtung, Asanas sind Körperübungen und Pranayama Atemübungen. Ashtanga Vinyasa Yoga zeichnet sich dadurch aus Bewegung und Atmung zu verbinden, Bewegung als Atemübung zu verstehen.

Die Idee, die Pattabhi Jois in seinen Beschreibungen verfolgt, ist, dass jeder Yoga üben kann, ob alt oder jung, krank oder stark. Es ging im darum eine individualisierte Yogaform zu entwickeln, die es möglich macht auf die jeweiligen Lebenssituationen eingehen zu können. Zu diesem Zweck wurde eine Serie von Asanas zusammengestellt, die man auswendig lernen kann, um sie dann, ohne Anleitung, in den eigenen Variationen und im eigenen Tempo üben zu lernen.

Am Beginn stehen die Sonnengrüße. Wie der Name schon sagt, soll der Sonnengruß ein Geschenk an die Sonne sein. In den alten Schriften wird die Sonne als für die Gesundheit verantwortlich bezeichnet. Der Sonnengruß möchte uns Frische und Gesundheit bringen, aufwecken und stark machen. Die gemeinte Gesundheit bezieht sich allerdings nicht nur auf den Körper, sondern möchte den ganzen Menschen erfassen. Der Sonnengruß möchte Leichtigkeit und Freude bringen.

Diese Leichtigkeit entsteht im Loben der Sonne, durch Spürenlernen. Alles Seiende wird zum Tanzen gebracht. Der Sonnengruß wird nicht einfach als Übung ausgeführt, er lässt den Raum rundherum spüren, die Verhältnisse zu anderem, sowie den Atem, der mit der ganzen Welt einatmen lässt. Der Sonnengruß ist Training der Sinne, er verspricht unsere Wahrnehmung zu schärfen. Um den Sonnengruß zu lernen, sollen wir uns von Ein- und Ausatmung leiten lassen, uns im Atmen wahrnehmen, die Bewegung dem Atem folgen lassen.

„THE PRACTICE OF THE SURYA NAMASKARA, OR SUN SALUTATIONS, HAS COME down to us from the long distant past, and is capable of rendering human life heavenly and blissful.” (Jois “Yoga Mala” 34)